Edelmetalle sorgen für Fortschritt und Klimaschutz
-- Verlässlichkeit in unsicherer Zeit

In dem neuesten Jahres-Pressegespräch der Fachvereinigung Edelmetalle am
21. Januar 2013 in Pforzheim blickt ihr Vorsitzender, Dr. Jörg Beuers, Vorstand der Umicore AG & Co. KG, Hanau,
auf ein weiteres Jahr hoher Edelmetallpreise zurück.

Der Bedarf an edelmetallhaltigen Funktionswerkstoffen orientierte sich nach Dr. Beuers an dem gedämpften
Wirtschaftswachstum in Deutschland, wobei zum Jahresende 2012 in der Branche leichte Erholungstendenzen
der Nachfrage festzustellen waren. Zunehmende Bedeutung erlangen Aspekte der Nachhaltigkeit, die bei Kunden
und Lieferanten eine immer größere Rolle spielen. Gesteigerte Aufmerksamkeit schreibt Dr. Beuers einem
übergreifenden Prozess-Know-how bis hin zu einer garantierten Leistungsfähigkeit des Funktionswerkstoffes zu.
Neue Entwicklungsmöglichkeiten haben die Frage eröffnet, ob diese Funktionswerkstoffe bei deutlich geringerem
Edelmetallgehalt identische Leistungen erbringen.

Im Bereich der Edelmetallrückgewinnung sieht der Vorsitzende der Fachvereinigung Edelmetalle die Scheideanstalten
gut ausgelastet. Mit moderner, umweltgerechter Rückgewinnungstechnologie würden die zurückgewonnenen
Feinmetalle wieder eingesetzt. Die Prozesstechnik in der Branche werde kontinuierlich weiterentwickelt, hin zu
umweltfreundlichen Technologien, schnelleren Durchlaufzeiten und höheren Prozessausbeuten.

Das Problem illegaler Verbringungen edelmetallhaltiger Sekundärrohstoffe in Drittländer ohne Umweltschutz und
schlechter Prozesstechnik ist lt. Dr. Beuers immer noch nicht gelöst. Die Fachvereinigung Edelmetalle und ihr
europäischer Dachverband, die European Precious Metals Federation in Brüssel, hätten diese unerfreuliche
Entwicklung auch 2012 wieder zum Gegenstand politischer Gespräche gemacht.     

Dr. Roland Gerner, Stellvertretender Vorsitzender der Fachvereinigung Edelmetalle und Geschäftsführer von
Heraeus Precious Metals, Hanau, sieht die Lage im Bereich der großen industriellen Abnehmer von Edelmetallen
geografisch heterogen. Während der Absatz in Asien und in den USA gut auf hohem Niveau laufe, machten sich in
Europa vor allem in den Bereichen Automobil- und Chemieindustrie Schwächen bemerkbar.

Aufgrund einer schwächelnden Automobilindustrie läuft lt. Dr. Gerner das Katalysatorgeschäft nur verhalten. Bei den
elektronischen Komponenten mache sich bemerkbar, dass zunehmend mehr Funktionen in Einzelgeräten gebündelt
sind. Gerätespezifisch sei es – auch durch die hohen Edelmetallpreise zusätzlich angeregt – zu einer Reduktion des
Edelmetalleinsatzes gekommen. Der spezifische Materialeinsatz sei zurückgegangen. Ausgeglichen wurde diese
Einbuße durch eine Zunahme der Stückzahlen, ausgelöst durch das Wirtschaftswachstum und der damit verbundenen
Wohlstandssteigerung in den Schwellenländern.

Mit Ausnahme des Sektors Datenspeicherung weisen nach Dr. Gerner andere Industriefelder deutlich positive
Ergebnisse auf. Die zunehmende Verbreitung von LED und Display beflügele den Edelmetalleinsatz, ohne den diese
Energiesparenden Technologien nicht möglich wären. Der Absatz für die Solarenergie selbst wachse rasant, trotz
Tendenzen zu massiver Materialeinsparung. Die Medizintechnik weise stetiges Wachstum auf, mit Potenzial vor
allem in Asien.

Der Edelmetallhandel sehe sich weiterhin hohen Preisen gegenüber. Die Versorgungslage bei Platingruppenmetallen
beginne sich zu ändern. Verhaltene Angebots-Aktivitäten der Hauptlieferländer Südafrika und Russland beeinflussten die
Preise.

Während das Jahr 2012 insbesondere im Bereich Recycling wiederum ein sehr gutes Jahr für die Scheideanstalten
war, hatte der  Absatz von Schmuckhalbzeug insbesondere bei Goldlegierungen eine rückläufige Tendenz, erklärte
Dr. Peter Dorner, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft und Geschäftsführer Heimerle & Meule,
Pforzheim. Nur die Mengen bei den hochhaltigen 18 Karat Goldlegierungen hätten auf Vorjahresniveau gelegen,
wohingegen es einen deutlichen Rückgang bei 14 und 9 Karat-Legierungen gegeben habe. Die weiterhin hohen
Edelmetallpreise haben lt. Dr. Dorner die Nachfrage nach Schmuckhalbzeug gebremst. Auch der Trend zu filigraneren
Schmuckstücken habe angehalten und sich sogar etwas verstärkt. Der Absatz von Silberhalbzeug sei dagegen stabil
und mit dem Vorjahr vergleichbar. Nach wie vor sinken die Beschäftigungszahlen in den  Betrieben, die Schmuck herstellen.

Erfreulicherweise ist der Trend, höhere Fertigungstiefe zu den Scheideanstalten zu verlagern, nach wie vor vorhanden.
Dr. Dorner stellt fest, dass sich die Schmuckhersteller vermehrt auf die wichtigen Bereiche  Design und  Vertrieb
konzentrieren. Diese Tendenz habe auch im letzten Jahr die rückläufige Menge etwas kompensiert. Da es im Jahre 2012
auch auf den Auslandsmärkten keine Belebung gegeben habe, sei das abgelaufene Jahr im Bereich des
Schmuckhalbzeuges insgesamt schlechter gewesen als das Jahr 2011.

Für das Jahr 2013 wird erwartet, dass sich der Abwärtstrend nicht weiter fortsetzt und in etwa das Niveau des Jahres
2012 gehalten werden kann. Eventuell führen leicht fallende Edelmetallpreise zu einer verhaltenen Steigerung der
Absatzmenge.

Als Mitglied des Arbeitsausschusses Dental der Fachvereinigung stellt Dr. Dorner fest, dass der Einsatz edelmetallhaltiger
Dental-Legierungen weiter stark rückläufig ist. Heute würden weniger als 20% aller Zahneinheiten ohne Verwendung von
Edelmetallgerüsten gefertigt. Edelmetall-Legierungen stellten wertmäßig aber immer noch den weitaus größten Anteil am
Gesamtmarkt der Dentalen Verbrauchsmaterialien dar. Preiswertere Legierungen ohne Edelmetall und neue Technologien
im Bereich der Zahntechnik wiesen dagegen oft zweistellige Wachstumsraten auf.

Dr. Dorner geht jedoch davon aus, dass auch in den kommenden Jahren Edelmetalle eine zwar wichtige, jedoch weiter
abnehmende Rolle bei Zahnversorgungen spielen werden.

Verantwortlich für den Inhalt: Wilfried Held Fachvereinigung Edelmetalle e.V.